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KAFFEESATZ 

Viele meiner Art wurden bereits weggeschwemmt, als das Wasser uns noch umgab. Nun ist auch das Wasser weg und es bin nur noch ich da. Mich kriegt man hier nicht so schnell weg. Ich mag Veränderungen nicht. Als ich noch eine junge Bohne war, hat mich das weniger gestört aber in meinem Lebensabend muss ich keine grosse Reisen mehr machen. Ich erinnere mich auch gerne zurück an die dynamischen Zeiten als noch bis zum Himmelszelt meine Mitkaffeepartikel*innen um mich herumschwirrten mit einer unvergleichbaren Lebensenergie. Selbst der Milchschluck hatte zu uns allen ein gutes Verhältnis. Jetzt ist das alles Geschichte und das ist auch OK so. 

Mir wurde sowieso bereits bevor die Welt sich etwa ein dutzend Mal kippte, der Himmel sich verdunkelte und meine Artgenossen verschwanden alles etwas zu anstrengend und habe mich niedergelassen. Ich dachte damals zu mir selbst: „Du bist ein unabhängiger Haufen Kaffeepartikel. Du musst nicht die ganze Zeit mit deinen Mitkaffeepartikel*innen herumschwirren.  Was musst du ihnen beweisen?“ 

Zugegeben: es ist einsam hier am Boden der trockenen Nachwelt aber lieber einsam als gestresst oder? Ich werde solange hier bleiben wie es nur möglich ist. Kann mir nicht vorstellen, dass es etwas gibt, was mich hier noch wegkriegt, denn eines kann ich gut und das ist hartnäckig sein.

Mauro Berther

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